Predigt zur Jubelkonfirmation
Thema: Abendmahl
(Predigt zur Jubelkonfirmation am 1.6.2003 von G. Pilhofer)
Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und unserem Herrn Jesus Christus. Amen
Liebe Jubelkonfirmandinnen und -Konfirmanden, liebe Gemeinde,
ich erinnere mich noch gut an die Vorbereitungen für meine Silberne Konfirmation. In meiner Heimatgemeinde, in Pegnitz, ist das anders als in Hohenstadt. In Pegnitz müssen sich die Jubilare selbst um Einladungen, Prediger und Festablauf kümmern. Und so saßen wir Abende lang am Telefon: Wer wusste wohin Michael oder Marion gezogen war? Wer hatte noch alte Adressen? Wo wollten wir essen gehen? Viele Fragen waren zu klären, doch die Hauptfrage war: Wer würde die Festpredigt halten? Mir wurde erzählt: Über Jahre hinweg war es der ehemalige Dekan. Er war längst im Ruhestand. Doch er hatte ja Jahr für Jahr 30 bis 40 Mädchen Konfirmiert. Für uns Jungen war damals der 2. Pfarrer zuständig und so kam ich auf die Idee, ob wir ihn einmal fragen sollten. Er sagte zu. Ein ehrwürdiger, alter Pfarrer, kurz vor seinem Ruhestand. Doch er hatte uns etwas zu sagen. Er kannte uns ja alle. Er hatte uns damals als Buben konfirmiert.
Bei mir, heute, ist das etwas ganz anderes. Ich bin neu in der Gemeinde. Ich bin gerade ein paar Jahre älter als die silbernen Konfirmandinnen und Konfirmanden. Doch wir haben Jubilare hier, die ihr 75 jähriges Jubiläum feiern. Da komme ich mir doch sehr jung und unerfahren vor. Und so stellte ich mir die Frage: Worüber kannst du heute predigen?
Ein Thema brennt auf den Nägeln. Ein Thema, welches auf den ersten Blick etwas mit der Konfirmation zu tun hat. Es ist das Thema Abendmahl. Für uns alle hier war ja die Konfirmation auch die Zulassung zum Abendmahl. Das hat damals kein Mensch in Frage gestellt. So war es halt. Ab der Konfirmation war man zum Abendmahl eingeladen. Als Kinder ging man in den Kindergottesdienst. Als Präparanden oder Konfirmanden war man in der ersten Reihe im Gottesdienst, doch zum Abendmahl ging man nicht. Kam doch einmal ein Kind zum Altar, so wurde es vom Pfarrer gesegnet. Brot und Wein (bzw. Weintraubensaft) gab es für Kinder nicht. Und die Frage heute ist dann: wer ist zum Abendmahl eingeladen?
Während ich diese Zeilen schrieb, wurde ja wieder heiß diskutiert wie seit Monaten schon: Wie wird das Abendmahl beim ökumenischen Kirchentag in Berlin gefeiert? Der Papst hat ja noch einmal klar gesagt: Mit uns Lutheranern geht das nicht. Was für den Papst einfach und klar ist, wirft für mich doch viele Fragen auf. Doch zuerst zu dem Papst, dann zu meinen Fragen: Der Papst, der römisch katholische Papst (denn neben ihm gibt es noch etwas 7 orthodoxe und koptische Päpste), also der römisch katholische Papst nimmt für sich in Anspruch, dass er der Stellvertreter Christi auf Erden ist. Und vereinfacht kann man dann sagen: Damit ist die römisch katholische Kirche, aus ihrer Sicht, die einzig wahre Kirche und nur in ihr wird das Abendmahl richtig gefeiert. >/p>
Zum Glück sehen das nicht alle seine Priester so. Während ich an dieser Predigt arbeitete, haben sich ja die Nachrichten überschlagen. Was viele römisch katholische Priester schon heimlicht taten, hat nun beim Kirchentag einer öffentlich gemacht: Die anderen Mitchristen zum Abendmahl eingeladen.
Doch zurück zur Theorie: Es ist schade, dass solche schwierigen Zusammenhänge oft vereinfacht dargestellt werden müssen. Wollte ich es genau erklären, dann bräuchte ich viele Stunden. Grob vereinfacht, ich würde sogar sagen falsch, war der Kommentar zum Kirchentag im Heute Journal am Dienstag. Da wurde doch behauptet: “Die Einheit der Kirchen zerbrach vor etwa 500 Jahren in Deutschland.” Da wurde offensichtlich übersehen: Die Einheit der Kirchen zerbrach schon vor etwa 1500 Jahren, als sich die orthodoxen Kirchen von der katholischen Kirche trennten. Da wurde auch übersehen, dass es schon in den ersten christlichen Gemeinden, so etwa im Jahre 45 Probleme gab:
In der journalistischen Sprache könnte man Fragen: Hat Paulus mit Petrus Abendmahl gefeiert?
Oder: Waren die Heidenchristen bei den Judenchristen willkommen?
Oder: Wie war das damals mit den Kinder?
Oder: Waren wirklich nur römisch katholische Christen eingeladen?
Ja, könnten wir eine Zeitreise machen, dann könnten wir sicher all die Fragen klären. Dann könnten wir hautnah erleben, dass es auch in den ersten Gemeinden schon Streit und Auseinandersetzungen gab. Aber es gab auch Verbindendes. Und das Verbindente hat gesiegt!
Schade, dass so eine Zeitreise (noch) unmöglich ist. Aber die Antwort auf manche Fragen lassen sich schon in der Bibel finden. Und so können wir die Fragen noch einmal von hinten nach vorne durchgehen:
Waren wirklich nur römisch katholische Christen eingeladen? So möchte es wohl der Papst. Doch Jesus, seine Jünger und die ersten Christen waren Juden. Von römisch oder katholisch wussten sie nichts.
Wie war das damals mit den Kindern? Ob die Kinder damals mitgefeiert haben ist unklar. Da sich aber die Abendmahlsfeier an das jüdische Passafest anlehnt, bei dem die Kinder eine wichtige Rolle spielen, halte ich es für wahrscheinlich, dass die Kinder mitgefeiert haben.
Waren die Heidenchristen bei den Judenchristen willkommen? Das war Jahrzehnte lang ein Streitpunkt. Juden verunreinigten sich ja, wenn sie mit Heiden zusammen kamen. Später gab es dann offensichtlich Judenchristen die mit den Heidenchristen zusammen feierten. Doch es gab sich auch welche, die dies ablehnten.
Hat Paulus mit Petrus Abendmahl gefeiert? Um diese Frage zu klären müsste man wirklich eine Zeitreise machen. Doch da sich beide bei dem Apostelkonzil in Jerusalem einigten, kann ich mir vorstellen, dass sie auch zusammen Abendmahl gefeiert haben.
Sie sehen: Schon in den ersten Gemeinden gab es viel Trennendes. Doch das Verbindende war stärker. Wie wir an den Briefen des Paulus sehen, hielten die Gemeinden sozusagen „weltweit“ zusammen. Ja die Heidenchristen sammelten sogar Geld um die Not leidenden Judenchristen in Jerusalem zu unterstützen. Was aber war die starke Bindung zwischen den Gemeinden und den einzelnen Christen? Ich meine, es war das einfache Taufbekenntnis: Jesus ist der Christus. Er ist der Herr. In der damaligen Amtssprache Griechisch war das noch kürzer: Iesus Cristos Kurios was in unserer Gebetssprache noch vorkommt, wenn wir sagen: Herr Jesus Christus. Dieses einfache Glaubens- und Taufbekenntnis verband die ersten Christen. Es war sicher auch die Zulassung zum Abendmahl.
Also: Wer bei den ersten Christen getauft war und (noch) bekennen konnte: Jesus ist der Christus, er ist der Herr, der konnte das Abendmahl mitfeiern.
Formelle Kirchen gab es ja noch nicht. Also, wie es der Papst heute sieht: Nur katholische Christen dürfen in der katholischen Kirche feiern und die evangelischen Christen feiern gar kein richtiges Abendmahl, diese Sichtweise war damals unmöglich. Und sie ist es meiner Meinung nach auch heute noch. Zum Abendmahl lädt keine Kirche, keine religiöse Gruppe ein. Zum Abendmahl lädt der auferstandene Christus ein. Und ich meine, bei Christus ist jeder willkommen, der durch die Taufe zu ihn gehört und der bekennen kann: Er, Jesus ist der Christus, ist der Herr.
Um das meinen Konfirmandinnen und Konfirmanden klar zu machen, dürfen sie immer heraussuchen, wen denn Jesus eingeladen hat. Dabei erkennen sie: Jesus hat ganz verschiedene Menschen eingeladen: Arme und Reiche, Männer und Frauen, Zöllner und Zeloten. Menschen also, die vieles trennte. Menschen die sonst nie zusammen gekommen wären. Was sie einzig einte war der Glaube an diesen Jesus aus Nazareth. Sie ließen sich von diesem Jesus einladen. Sie ließen sich von diesem Jesus stärken für ihren weiteren Weg. Und so soll es dann auch heute sein, wenn wir anschließend Abendmahl freieren.
Damals bei ihrer Konfirmation, vor dem ersten Abendmahl, haben sie ja versprochen, dass für sie Jesus der Christus, der Herr ist. Ich hoffe, sie alle können heute noch zu dieser Aussage stehen.
Amen
Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Jesus Christus.
Amen