Predigt zur Sonnwendfeier 2003

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und unserem Herrn Jesus Christus.
Amen

Liebe Gemeinde,

haben sie die Geschichte des Evangeliums noch im Ohr? Da wäre ein Fest fast ausgefallen, weil die Gäste nicht kommen konnten oder wollten. In Hohenstadt ist das ganz anders. Da wollen die Menschen feiern, aber es wird ihnen verboten! Ein Dorf ist sauer! Ein Dorf ist aufgebracht! Das Sonnewendfeuer wurde verboten! Ich habe davon ja wenig mitbekommen, aber selbst in der Pause im Kirchenvorstand war das Sonnwendfeuer das Thema. Die Meinungen gingen hoch. Die Gefühle wurden deutlich. Wenn das schon im Kirchenvorstand so ist, wie mag es erst im Dorf gewesen sein? Was mag an den Stammtischen diskutiert worden sein?

Und schnell stellt sich die Frage: Warum ist das Sonnwendfeuer aufgefallen? Wer ist schuld daran? Die Zeitungsmeldung „wegen zu wenig brennbarem Material“ warf mehr Fragen auf, als sie beantwortete! Wer ist also schuld?

Ein Amt gibt natürlich ich einen guten Sündenbock ab. Die Beamten kennt man meist nicht. Sie haben oft einen schlechten Ruf – faul sollen sie sein – usw..

Da liegt es also nahe zu sagen: Das Landratsamt ist schuld. Die haben uns verboten das Sonnwendfeuer zu feiern. Die haben uns sogar eine Strafe angedroht! Jedes kleine Fest können die einen versauen! Entweder sie schicken Lebensmittel Kontrollöre oder sie verbieten sogar ein kleines Sonnwendfeuer zu schüren. Keinen Spaß gönnen die einem. Die können leicht Entscheidungen fällen in ihren Büros in Lauf!

Doch es gibt noch Menschen, die etwas über den Rand ihres Bierkrugs hinaus denken können. Die werden dann wohl sagen: Nein, das Landratsamt ist unschuldig. In den Dörfern ringsum werden ja aus Sonnwendfeuer gefeiert. Das von Pommelsbrunn war sogar groß in der Zeitung. So einfach verbietet das Landratsamt kein Sonnwendfeuer! Da muss doch irgendjemand gewesen sein, der uns beim Landratsamt schlecht gemacht hat! Wir haben einen Nestbeschmutzer in unserem Dorf. Wir haben einen Verräter in unserem Dorf. Wer könnte das wohl sein? Es muss wohl ein Gründer sein, einer von den Umweltschützern. Es muss da einer sein, den es stört, wenn etwas Sperrmüll mit verbrannt wird. Das bisschen Abfall! Andere verschmutzen die Umwelt doch viel mehr! Bei uns in Hohenstadt ist doch die Umwelt noch in Ordnung! Nur wegen einiger alten Fensterrahmen wird unser ganzes Fest versaut!

Habe ich damit die Stimmung im Dorf richtig wiedergegeben? Sind alle Stimmen zu Wort gekommen? ….

Wahrscheinlich gab es auch noch einige andere, stille Stimmen. Die haben vielleicht gefragt: Warum müssen einige Mitbürger ihren Sperrmüll auf entsorgen?

Ob man auf diese gehört hat?

Doch vor meinem inneren Auge sehe ich schon, wie jetzt einige nervös mit ihren Füßen scharren und sich fragen: Sind wir jetzt bei einem Vortrag der Grünen oder im Gottesdienst wo es eine Predigt gibt?

Es gibt eine Predigt! Sie alle kennen sicher die Geschichte von Adam und Eva. Die Schlange sagt zu Eva: Wenn du von der Frucht isst, dann wirst du sein wie Gott. Eva probiert. Sie gibt die Frucht weiter an Adam. Auch er kostet. Und plötzlich merken Adam und Eva: Das war falsch. Sie verstecken sich vor Gott. Doch Gott taucht auf und stellt Adam zu Rede: Warum hast du von der Frucht gegessen? Adam schiebt die Schuld weiter: Eva gab mir davon zu essen. Eva schiebt die Schuld wiederum weiter: Die Schlange war es.

Und sie kennen sicher auch den Schluss der Geschichte. Sie kennen den Auftrag den Gott Adam und Eva gab, den Auftrag der uns allen Menschen gilt: Adam und Eva sollen die Erde bebauen. Bebauen – nicht zerstören! Bebauen – und in den letzten Jahren wurde hinzugefügt: und bewahren. Beinahe bin ich selbst darauf reingefallen. So oft klang es wie ein Bibelzitat: bebauen und bewahren. Es klang so gut, dass selbst ich es glaubte. Doch so steht es nicht in der Bibel. Da ist nur von bebauen die Rede. Aber jeder, der vernünftig bebauen will wird nicht zerstören. Er wird bewahren – jedenfalls wenn es um die Erde, um unsere Umwelt geht. Bei einer alten Scheune mag das anders sein!

Es ist für mich faszinierend, wie sich diese grundlegenden Erfahrungen der Menschheit schon in den ersten Kapiteln der Bibel finden.

Es ist für mich faszinierend, wie sich diese Erfahrungen immer und immer und immer wieder wiederholen! Die Schuld wird weiter geschoben wie beim Sonnwendfeuer: Das Landratsamt ist schuld. Die Nestbeschmutzer sind schuld. Nur von denen, die den Dreck da rauf gefahren haben, reden die wenigsten!

Doch die sind schuld! Alle die ihren Müll auf die Egerten gefahren haben, die sind schuld!

Und die sind nicht zu entschuldigen! Entschuldigen sie einmal! Wo leben wir denn? Wenn ich Sperrmüll habe, dann muss ich nur eine Karte ausfüllen und der Müll wird kostenlos abgeholt!

Ich habe fast 10 Jahre im Landkreis Rottal Inn gelebt. Da gibt es keine Sperrmüllabfuhr mehr. Wer Sperrmüll hat muss diesen selbst zur Deponie bringen. Und da kostete ein voller PKW Anhänger leicht einmal 80,-- DM – also heute 40 €! In so einem Landkreis könnte ich es noch verstehen, wenn eine arme Familie ihren Müll illegal entsorgt! Hier in unserem Landkreis gibt es keine Entschuldigung. Ja, in Arnstorf wurde auch Sonnwendfeuer gefeiert. Die Landjugend brachte einen riesigen Berg aus unbehandeltem Holz zusammen. Er lag unter einer großen Eiche. Am Tag vor dem Sonnwendfeuer wurde dann etwa 100 Meter von der Eiche entfernt das Holz für das Sonnwendfeuer aufgeschlichtet.

Doch vom Naturschutz will ich wieder zurück zur Predigt kommen. Es wurde sicher viel „schmutzige Wäsche“ in unserem Dorf gewaschen. Es gab viele – falsche – Schuldzuweisungen. Aber ich meine, wir Christen zeichnen uns dadurch aus, dass unsere Schuld vergeben wurde. Christus hat sie getragen. Weil unsere Schuld vergeben wurde, können auch wir Schuld vergeben.

Und Christen zeichnen sich dadurch aus, dass ihnen der Heilige Geist gegeben wurde. Christen haben Visionen. Und auch im Kirchenvorstand wurden solche Visionen schon geäußert. Visionen, wie wir es nächste Jahr besser machen können, damit alle die im Dorf wollen ein Sonnwendfeuer feiern können. Einige dieser Visionen will ich nennen: Wie viel Holz liegt heute ungenutzt in den Wäldern? Wie billig ist es die langen Holzabfälle von einem Sägewerk zu kaufen? Vielleicht ließe sich sogar ein anderer Ort wählen, der nicht so nahe am Wald ist wie die Egerden um das Sonnwendfeuer zu feiern?

Etliche Kirchenvorstände und ich sind bereit mitzuhelfen, dass es nächstes Jahr besser wird, dass wir nächste Jahr wieder Sonnwendfeuer feiern können.

Und auch wenn es nicht so in der Bibel steht: Dass wir Gottes gut Schöpfung bebauen und bewahren.

Amen

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen